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Zukunftsfähiges Wirtschaften in Kirchen

Entwicklungspolitische Relevanz

„Den Armen Gerechtigkeit“ – für dieses Ziel setzt sich Brot für die Welt seit vielen Jahrzehnten ein. In unserer eng vernetzten Welt bedeutet dies auch die „Entwicklungszusammenarbeit im Alltag“ oder anders gesagt die „Entwicklungspolitik mit dem Einkaufskorb“.

Mit jedem Euro, den wir im (Kirchen-)Alltag ausgeben oder anlegen, nehmen wir Einfluss und können Menschenrechte, Arbeitsstandards und gerechte Löhne befördern. Darüber hinaus kommt es den Menschen in den Produktionsländern direkt oder indirekt zugute, wenn wir Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen, natürliche Ressourcen schonen oder Bio-Produkte kaufen. Denn: Ökologische und soziale Auswirkungen unseres wirtschaftlichen Handelns hängen zusammen und verstärken sich häufig gegenseitig. Ökologische und soziale Gerechtigkeit sind untrennbar.

Das Prinzip „Ökologische Gerechtigkeit“

Ressourcenverbrauch und Ressourcengerechtigkeit
Entwicklungspolitik hat die weltweite Überwindung von Armut zum Ziel. Allerdings hat die wirtschaftliche Entwicklung der Industrieländer in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten bereits zu einer solchen Überlastung unserer natürlichen Ressourcen geführt, dass die ungerechte Verteilung und die Übernutzung von Ressourcen, zwischen (aber auch innerhalb von) Ländern, einer der zentralen Gründe ist, warum heute Millionen von Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben. Jedes Jahr verschwinden Wälder, Tierarten und gewaltige Fischbestände. Viele Rohstoffe, die wir importieren und verbrauchen, sind schon zu großen Teilen abgebaut oder können gar nicht so schnell nachwachsen. Knappheit, verschärfte Konkurrenz, Verteuerung, Vertreibung und Naturverlust gehen damit einher. In der Zukunft wird sich das Problem potenzieren, und nachfolgende Generationen werden die Folgen tragen müssen. Ein schonender, gerechter und zukunftsorientierter Umgang mit den Umweltressourcen – auch in unseren kirchlichen Einrichtungen - ist eine Grundvoraussetzung für die Armutsbekämpfung. Nur dann ist eine andere Art von Entwicklung möglich.

Klimawandel und Klimagerechtigkeit
Die Klimabedingungen verändern sich in Folge unseres Wirtschaftens rasch, und keiner weiß, wie der Planet in 100 Jahren aussehen wird. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern können sich die ärmsten Menschen am wenigsten vor negativen Umweltfolgen wie Wüstenbildung, Versalzung oder Überschwemmung schützen. Sie verlieren als erste den Zugang zu Ressourcen wie z.B. Wasser oder Land; Konflikte, Entwurzelung und Migration im großen Maßstab sind absehbar. Deutschland ist in der Welt die Nummer 6 beim Ausstoß von Kohlendioxid. Dringend müssen hier natürlich auf politischer Ebene Maßnahmen ergriffen werden. Aber auch alle Anstrengungen, die wir in den Kirchen auf den Gebieten Immobilien, Mobilität, Einkauf und Geldanlagen für Energieeinsparung und Klimaschutz unternehmen, sind nicht nur rein technische Maßnahmen – sie kommen den Menschen unmittelbar zugute!

Umweltschutz und umweltpolitische Maßnahmen ...
... gelten hierzulande jedoch manchmal als Luxus oder stehen im Verdacht, Kosten in die Höhe zu treiben und ökonomisch Schwächere zu benachteiligen. So sei die Energiewende als Maßnahme gegen den Klimawandel sozial ungerecht, da sie zu erheblichen finanziellen, nicht mehr tragbaren Mehrbelastungen würde. Das heißt ja aber nicht, dass die Energiewende als solche falsch ist, sondern nur, dass sie sozial ungerecht umgesetzt wird. Umgekehrt leistet gerade Umweltschutz oft einen wichtigen Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit und führt in vielen Fällen sogar zu einer Entlastung benachteiligter Gruppen. Denn diese sind durch die schlechte Lage bezahlbarer Wohnungen oft überdurchschnittlich hohen Umweltbelastungen wie Lärm und Luftverschmutzung ausgesetzt oder haben keinen Zugang zu Grünflächen, um sich zu erholen oder zu bewegen. Umgekehrt ermöglicht die bewusste Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs die bessere Teilhabe von Menschen ohne Auto am gesellschaftlichen Leben.

Enge ökosoziale Zusammenhänge - Produktbeispiele

Agrarprodukte
Manche Produkte sind nur bio, manche nur fair – die meisten aber weder noch. Zum Glück nehmen Umweltzertifizierungen mittlerweile auch soziale Kriterien in Augenschein, Produkte aus fairem Handel müssen auch ökologische Kriterien erfüllen. Aus gutem Grund, denn beide Aspekte hängen ohnehin eng zusammen.

Ein Beispiel: Der ökologische Anbau von Baumwolle verzichtet auf den Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln und vermeidet so das Auslaugen der Böden. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit wird durch die Nutzung von biologischem Dünger erhöht und erhalten. Das sichert langfristig die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Bauern, und die Feldarbeiter kommen nicht mit gesundheitsschädlichen Spritzmitteln in Kontakt. Außerdem sind die Bauern nicht auf teure Kunstdüngern oder gentechnisch verändertes Saatgut angewiesen, für deren Kauf sie sich häufig tief verschulden. Die vorgeschriebene Fruchtfolge bietet den Kleinbauern darüber hinaus die Chance, weitere Bio-Produkte für die Ernährung der eigenen Familie und für die Vermarktung anzubauen und sich auf diese Weise unabhängiger von der Baumwolle zu machen.

„Unser tägliches Fleisch gib uns heute“
Was hat unser Steak mit Landraub und Klimawandel zu tun? Längst werden die Futtermittel für unsere Rinder-, Schweine- und Geflügelzucht in Europa zum größten Teil importiert. Ganze Landstriche Südamerikas bedienen mittlerweile den internationalen Futtermittelmarkt. Um das für Deutschland benötigte Soja anzubauen, ist alleine in Südamerika eine Fläche von etwas zwei Millionen Hektar nötig (entspricht etwa der Größe Mecklenburg-Vorpommerns). Tendenz steigend – denn die Lust auf Fleisch wächst weltweit. Dafür werden weiterhin Wälder abgeholzt, kleinräumige Landwirtschaftsflächen oder Weiden umgewandelt – und dadurch einfach Fakten geschaffen. Ein großer Teil des in Südamerika verwendeten Saatguts für den Soyaanbau besteht aus genmanipulierten Sorten – in Ländern wie Argentinien und Paraguay fast zu 100%. Deren Anbau mit dem Einsatz von großen Mengen an Pestiziden und Mineraldünger erfolgt.

Doch das hat nicht nur Folgen für die Natur, die biologische Vielfalt und den Klimawandel: Die ortsansässige Bevölkerung erleidet gesundheitliche Schäden oder wird aus ihren traditionellen Territorien vertrieben. Verarmung und Hunger, Krankheiten und Missbildungen, Verlust von Kultur, Sprache und Identität sowie Flucht in die Städte sind die Folgen. Bei uns hingegen bewirkt die industrielle Tierwirtschaft eine Überdüngung von Böden und Grundwasser mit Nitraten sowie eine Immunisierung der Konsumenten gegen Antibiotika, die in der Tierzucht prophylaktisch reichlich eingesetzt werden. – Ein Umdenken ist nötig: Es gibt kein „Menschenrecht auf billiges Fleisch“. Die Kosten für Natur, Mitmenschen und unsere Gesundheit sind zu hoch. Von den Tieren ganz zu schweigen.

Mülltourismus
Schon die Produktion von technischen Geräten verbraucht Unmengen an Ressourcen, die teilweise aus Konfliktregionen stammen. Doch auch das Ende ihres Lebenszyklus hat es in sich. Denn die Zahl der weggeworfenen Computer, Kühlschränke, Fernseher, Waschmaschinen, Handys, Klimaanlagen nimmt immer schneller zu. 2014 kamen weltweit 42 Millionen Tonnen Elektroschrott zusammen. Theoretisch muss der Schrott umweltgerecht entsorgt werden. Doch das kostet und ist aufwändig. So gelangen trotz Exportverbots erhebliche Mengen Elektroschrott aus Deutschland illegal nach Afrika und Asien und werden dort auseinander genommen.

Die Arbeiter brennen Kabelummantelungen über offenen Feuern ab, schmelzen Edelmetalle aus Platinen oder lösen die wertvollen Stoffe in Säurebädern aus den Bauteilen. Die giftigen Dämpfe bringen schwere gesundheitliche Folgen für die Arbeiter mit sich; Wasser, Boden und Luft werden mit Blei, Arsen oder Quecksilber vergiftet. Die ausgeschlachteten Geräte bleiben auf Abfallhaufen mitten in Wohngebieten liegen. So landen die verschiedenen Giftstoffe früher oder später auch in den Lebensmitteln der Menschen. – Nachhaltiges Wirtschaften heißt deswegen auch: weniger kaufen, länger nutzen, konsequent recyceln, gebraucht kaufen, leihen.

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Andrea Koch
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