x
Zu den Inhalten springen
Zukunftsfähiges Wirtschaften in Kirchen

Praktische Argumente

Diese Liste mit Argumenten für das zukunftsfähige Wirtschaften bzw. mit „Argumenten gegen die Gegenargumente“ möchte für Gespräche und Diskussionen rüsten.

Sie ist nicht abgeschlossen, und wenn Sie konkrete Beispiele zur Veranschaulichung der Argumente kennen, ließen sich diese gut ergänzen! (Kontakt).

Kosten

  • Ökofair und ethisch ist nicht automatisch immer teurer. Hier lohnt sich der genaue und ergebnisoffene Preisvergleich.
  • Prüfen Sie auch, ob die Dosierung, z.B. bei Reinigungsmitteln korrekt ist – „viel hilft viel“ stimmt hier oftmals nicht.
  • Gerade bei Getränken lässt sich durch geschicktes Haushalten eine Menge „rausholen“. Der bewährteste Tipp: Nur soviel Kaffee kochen, wie ganz sicher benötigt wird, lieber nachkochen. Wer nichts wegschüttet, spart Ressourcen und Geld, das dann umso lieber für die fair gehandelte Alternative ausgegeben werden kann. Auch kleinere Tassen sind ein guter Weg, um eine bessere Dosierung zu erlauben – wer will, schenkt sich nach.
  • Das Gleiche gilt für Fleisch: lieber kleine Portionen und wirklich ansprechende vegetarische Alternativen, aber dafür besseres, nach Möglichkeit Bio-Fleisch aus der Region. Am Fleisch kann man auch die „Wert-Schätzung von Lebens-Mitteln“ wieder lernen.
  • Ethische Geldanlagen haben nicht – wie Manche mutmaßen - automatisch eine niedrigere Rendite. Im Gegenteil, viele nachhaltige Anlagen und Finanzinstitute sind um Einiges besser als ihre konventionellen Pendants durch die Finanzkrise 2007/2008 gekommen.
  • Wer die Langzeitkosten und den gesamten „Lebenszyklus“ eines elektronischen Gerätes im Blick hat, fährt oft trotz der anfangs höheren Investition in ein energiesparendes Modell langfristig deutlich besser. Höhere Kosten für ökofaire Produkte lassen sich gut gegenfinanzieren durch die finanziellen Einsparungen im Energiebereich.– Besonders in größeren Einrichtungen ist die Versuchung manchmal groß, dieses Geld gleich anderweitig zu verplanen, um z.B. bestimmte Löcher im Haushalt zu stopfen. Vielleicht lässt sich in diesen Fällen eine Vereinbarung treffen, dass mindestens die Hälfte des eingesparten Betrags für den Kauf ökologisch und sozial „besserer“ Produkte ausgegeben werden darf.
  • Ggf. bietet es sich an, ein wenig benötigtes Produkt lieber zu leihen oder gemeinsam mit anderen anzuschaffen (Beispiel: Bohrmaschine).
  • Vielleicht lässt sich auch ein bestimmter Betrag eigens für mögliche höhere Ausgaben bereit stellen: So könnte ein Teil der Einnahmen aus einem Basar, einem Flohmarkt oder einer Kollekte dafür bestimmt werden, dass die Gemeinde ihrem christlichen Selbstverständnis entsprechend auch nur Produkte kauft, die Mensch und Umwelt keinen Schaden zufügen.
  • „Billig ist das neue Teuer“: Das gilt nicht nur in dem Sinne „wer billig kauft, kauft doppelt“. Das gilt insbesondere mit Blick auf die Langzeitschäden, die unser Wirtschaften bei uns und weltweit hinterlässt. Diese müssen dann spätestens von unserer Enkelgeneration bezahlt werden.

Verfügbarkeit der Produkte

  • In den letzten Jahren hat es viel Bewegung auf diesem Feld gegeben. Für viele Produkte gibt es heute nicht nur ein einziges, sondern mehrere Angebote, und man findet Informationen dazu gut im Internet und kann dann entsprechend vor Ort regionale Quellen ausfindig machen. Einzelne Regionen haben auch schon Übersichten erstellt. Am vielversprechendsten ist es sicherlich, sich regional in Netzwerken zu organisieren.
  • In Fällen, wo es keine „rundherum guten“ alternativen Produkte gibt, wie zum Beispiel bei IT-Anschaffungen, kann eine Gemeinde die bislang optimierten Geräte wählen (Produkte mit dem Blauen Engel, „Faire Maus“, Fairphone, SHIFT7, Drucker aus Recyclingmaterial) und darüber hinaus im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Verbesserung des Angebots einfordern bzw. „dranbleiben“.
  • Durch die Steigerung der Nachfrage trägt eine Gemeinde selbst auch dazu bei, dass das Angebot weiter wächst und die Strukturen ausgebaut werden. Dies betrifft gerade auch die Strukturen vor Ort, die durch den vermehrten Einsatz regionaler und (bei Lebensmitteln) saisonaler Produkte gestärkt werden. Also ruhig mal nach Recyclingpapier im Laden des Vertrauens fragen.
  • Natürlich gibt es eine Reihe gewachsener Geschäftsbeziehungen, die man nicht von heute auf morgen aufgeben kann und möchte. Hier besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit den Lieferanten vor Ort nach mittelfristigen Lösungen zu suchen, wie die ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien, die der Gemeinde wichtig sind, gewährleistet werden können.

Qualität

  • Produkte mit anerkannten Nachhaltigkeitssiegeln unterliegen häufig scharfen Kontrollen, die auch Qualitätsaspekte umfassen. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
  • „Schmeckt nicht, gibt’s nicht (mehr)“: Die Auswahl ist mittlerweile bei vielen Produkten so groß, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. So führt die Produktdatenbank von Fairtrade Deutschland beim Thema Kaffee zum Beispiel schon mehr als 300 Einträge, und da sind die GEPA-Produkte noch nicht einmal inbegriffen. Zeit für eine (neue) Verkostung!
  • Ähnliches gilt für andere Produktbereiche: Auch weitere Artikel werden ständig nachgebessert, so dass Recyclingpapier heute nicht mehr grau ist oder den Drucker kaputt macht. Aktuell erleben wir die konstante Weiterentwicklung von energiesparenden Leuchtmitteln.
  • Und last but not least: Es gibt auch so etwas wie eine „unsichtbare Produktqualität“ – ob Menschen daran unter gesundheitlich und ökologisch bedenklichen Bedingungen für niedrigste Löhne gearbeitet haben, mag man dem fertigen Produkt nicht ansehen. Gleichwohl kann man darüber streiten, ob es in diesem Fall unserem christlichen Qualitätsmaßstab genügt.

Komplexität und Unsicherheiten

  • Es ist immer wieder erstaunlich, wie eng und undurchsichtig die Dinge in unserer globalisierten Welt zusammen hängen. Die Menge der zu bedenkenden Faktoren beim zukunftsfähigen Wirtschaften und „sustainable shopping“ mag auch zunächst verunsichern. Allerdings ist diese Komplexität mittlerweile sowieso Teil unserer Lebenswelt im 21. Jahrhundert, wir sind ihr ohnehin ausgesetzt. Umso besser, dass wir mit gezielten Einkaufs- und Anlageentscheidungen im Alltag nach bestem Wissen und Gewissen Einfluss nehmen können. Wir haben hier die Hebel, um anderswo etwas Gutes zu bewirken – das hat auch seine Vorteile!
  • Es gibt inzwischen ziemlich viele Siegel, aber mit dem Vertrauen ist es so eine Sache: Wer blickt da überhaupt noch durch? Handelt es sich nicht um Siegel „light“ oder um Etikettenschwindel? Der Trost: Es gibt eine übersichtliche Zahl an anerkannten Siegeln, die in vielen nachhaltigen Einkaufsführern aufgelistet sind (z.B. der Nachhaltige Warenkorb des Rats für nachhaltige Entwicklung – s. auch hierzu die weiter führenden Informationen auf unserer Website zukunftsfaehiges-einkaufen.de). So schnell, wie wir „Marken“ auf anderen Gebieten lernen, so leicht sollte es auch hier fallen, in kurzer Zeit einen geübten Blick zu haben.
  • Leider kommt es vor, dass es auch zu diesen Siegeln bzw. den mit ihnen gekennzeichneten Produkten negative Schlagzeilen gibt - berechtigte oder weniger fundierte. Allerdings wäre es ein Trugschluss, wenn man daraus folgern wollte, dann könne man doch auch gleich „normale“ Artikel kaufen bzw. Geldanlagen wählen und ein anderer Handel sei nicht möglich. Natürlich muss man wie überall die Augen aufhalten. Doch machen einzelne Missstände im nachhaltigen Sektor die Auswirkungen konventioneller Produkte nicht besser. Überdies gibt es quer durch alle Branchen schwarze Schafe, die die gute Arbeit der „weißen Schafe“ aber doch nicht schmälern (so traurig es ist, wenn sie ausgerechnet unter ethischem Deckmantel daher kommen). Erfahrungsgemäß lässt sich davon ausgehen, dass es durch die Schlagzeilen und kritischen Nachfragen zu einer Weiterentwicklung und schärferen Überprüfung kommt.
  • Es kommt vor, dass gegen fair gehandelte Produkte, die aus Übersee importiert werden, Klimaschutzgründe ins Feld geführt werden. Und natürlich heißt es auch hier: abwägen. In erster Linie handelt es sich bei Fair Trade-Produkten jedoch um weiter verarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse, die hierzulande nicht angebaut werden (z.B. Kaffee, Tee, Kakao, Orangen, Bananen, Mangos, Reis, „exotische“ Gewürze). Des Weiteren gibt es manche Produkte, die wir in so großen Mengen nachfragen, dass die heimische Produktion nicht den gesamten Bedarf decken kann (z.B. Honig, Apfelsaft). Schwierig wird es beim Thema "Zucker" - eine Entscheidungshilfe findet sich auf den Seiten der Fastenaktion "7 Wochen mit... Produkten aus Fairem Handel und der Region". Fair produzierte Agrarerzeugnisse belasten das Klima im Übrigen aufgrund des meist kleinbäuerlichen Ansatzes und des geringeren chemischen Pestizid- und Düngemitteleinsatzes weniger als Produkte der industriellen Agrarwirtschaft. Was kunsthandwerkliche oder textile Produkte betrifft, so halte man sich vor Augen, dass die „konventionellen“ Produkte in den meisten Fällen ebenfalls aus Asien importiert werden.
  • Eine ähnlich gelagerte Frage betrifft die Wahl zwischen regionalen Produkten einerseits und Bio-Produkten aus Übersee andererseits. Die Frage hat durchaus ihre Berechtigung, doch sollte man auch hier im Hinterkopf haben:
  1. Grundsätzlich gilt: ökologische Produktionsformen emittieren weniger Treibhausgase als industrielle, da beispielsweise keine künstlichen Düngemittel eingesetzt werden. Und pflanzliche Produkte sind jeweils immer bedeutend klimagünstiger als tierische Produkte (vom Fleisch über Käse, Eier und Butter).
  2. Am Besten ist ein Einkauf, der regionale, saisonale und biologische Kriterien zugleich erfüllt – also Bio-Produkte aus der Region wählt.
  3. Ist dies nicht möglich, bietet es sich an, „Fall zu Fall“-Entscheidungen zu treffen. Regionale Produkte können dann eine gute Wahl sein, wenn sie saisonal sind und wir aufgrund unserer Vertrautheit mit den Herstellern gleichzeitig sicher sind, dass auch Umwelt-, Sozial- und ethische Kriterien berücksichtigt werden, selbst wenn die Erzeugnisse nicht gesiegelt sind.
  4. Im klassischen Beispiel „Bio-Apfel aus der Region versus Bio-Apfel aus Neuseeland“ hängt die Entscheidung ggf. vom Zeitpunkt ab: Im Herbst, zur Erntezeit, spricht sicherlich so gut wie alles für den heimischen Apfel. Im Mai jedoch hat die Lagerung über den Winter so viel Treibhausgase verbraucht, dass der Transport eines frischen neuseeländischen Apfels auf dem Wasserweg klimagünstiger ist.
  5. Als sei der Kohlendioxidausstoß, Tierschutzaspekte und der Einsatz von Chemikalien noch nicht genug, ist auch das Thema Wasser relevant. Tomaten aus Spanien oder Israel etwa „stehlen“ das Wasser, das den Menschen dort zum Leben fehlt. Trotzdem gilt: Lieber Bio-Tomaten als normale von dort – so gibt es zumindest eine Reihe weiterer Probleme nicht…
  6. Erschlagen von den Details und Wechselwirkungen?? Wichtig ist Eins: sich nicht entmutigen zu lassen! Arbeiten Sie auf der Basis einer „Grundsensibilisierung“ mit Daumenregeln, die Ihnen die Entscheidungen im Alltag erleichtern – mit einem Minimum an negativen Wirkungen. Dabei können auch die persönlichen Prioritäten Entscheidungshilfe sein. Vielleicht ist es wichtiger, die heimische Produktion zu stützen, vielleicht möchte man sich explizit mit ärmeren Ländern solidarisch zeigen und dort Arbeitsplätze schaffen. Durch die Nachfrage nach heimischen Bio-Produkten, die das Angebot zuweilen übersteigt, kann der Politik signalisiert werden, dass sie in ihrer Gesetzgebung und in ihren Subventionen mehr für die biologische Landwirtschaft tun sollte.

„Moralkeule“/Verzicht

  • Das Thema des Wirtschaftens unter Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Kriterien kommt in den Augen mancher Menschen vielleicht etwas spröde und technisch, unbequem und irgendwie „negativ“ daher. Und natürlich liebt niemand zu hören, was er oder sie gerade oder schon länger macht, sei „falsch“ oder gar „schlecht“. Weder lassen wir uns gerne etwas vorschreiben (noch dazu etwas Unbequemes), noch stehen wir gerne als böse da – wo wir in der Regel gerade im kirchlichen Kontext uns eigentlich Tag ein Tag aus mit Herzblut für das Gute einsetzen und oft genug selbst mit dem Rücken zur Wand stehen. Wieder gilt es dagegen zu halten, dass unsere Welt heute so komplex ist. Ganz ohne unseren bösen Willen hängt alles miteinander zusammen – aber wir brauchen uns nicht als Opfer zu betrachten. Wir sind grundsätzlich befähigt und von unserem Glauben ermutigt, diese Welt zu gestalten und die Handlungsspielräume, die wir haben, zu nutzen. Letztlich ist es nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Gelegenheit, Einfluss zu nehmen und die Hebel, die wir haben, zu identifizieren und auszuprobieren.
  • Unbequem ist auch die – gefühlte - Zumutung des Verzichts: Sei es, dass bestimmte Produkte (z.B. im IT-Bereich) und Dienstleistungen (wie etwa Flüge) nicht „gut“ zu haben sind; sei es, dass wir lieber weniger anschaffen, um uns dadurch „ethisch bessere“ Produkte leisten können; sei es, dass wir grundsätzlich lieber auf Anschaffungen verzichten, weil der Ressourcenverbrauch zu hoch ist. Dies scheint die persönliche Freiheit zu beschneiden und mit mangelnder Lebensqualität, mit Einschränkungen und mit Entbehrungen einherzugehen. Ja, es scheint uns eines Eigentums zu berauben, auf das wir Anspruch und Anrecht haben. Niemand kann uns zwingen, diese Perspektive abzulegen. Ausprobieren jedoch kann man als Alternative die Sichtweise, dass es eigentlich nur um eine Reduzierung des „Zuviel“ geht; dass es darum geht, ein gutes Maß zu halten, Dinge wertschätzen zu können. Und dass in dieser „Ethik des Genug“ und der „Ethik des Soviel-du-brauchst“ eine möglicherweise viel größere Freiheit liegt.
Kontakt

Anregungen oder Fragen?
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!

Andrea Koch
+49 (0)30 65211 1696

Klima-Kollekte

Für alle Emissionen, die sich nicht vermeiden lassen, ermöglicht die Klima-Kollekte Ihnen durch freiwillige Kompensationen einen Beitrag zum Schutz des Klimas zu leisten.

Spenden

Brot für die Welt
Spendenkonto: 500 500 500
Bank für Kirche und Diakonie
BLZ: 1006 1006
IBAN: DE10100610060500500500
BIC: GENODED1KDB

oder spenden Sie online

  • © 2018 Brot für die Welt.